Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Schnäppchen oder Schrottkarre? Beim Kauf von Gebrauchtwagen kommt es nicht nur auf das Verhandlungsgeschick, sondern auch auf technische Kompetenz an. Doch wie lässt sich ein Auto schnell und umfassend begutachten? Die folgenden Tipps helfen bei Verhandlung und Einschätzung.

Der Eindruck von außen

Der erste Blick fällt zwangsläufig auf die Außenteile. Hier ist genaues Hinsehen gefragt: Während Risse oder Schadstellen im Lack jedem auffallen, achten die wenigsten auf die Auspuffanlage und die Dichtungen. Genau hier können sich jedoch teure Reparaturkosten verstecken. Im Idealfall sind alle Gummidichtungen intakt, die Halterungen stabil und sämtliche Teile frei von Rost. Beim Sonderfall Cabrio sollte zusätzlich das Verdeck durch mehrmaliges Öffnen und Schließen geprüft werden.

Handelt es sich um einen Unfallwagen?

Nicht selten versuchen Verkäufer, Wagen mit Unfallschaden als normale gebrauchte anzubieten. Zum Glück gibt es einige einfache Profi-Tests, um solche Angebote zu enttarnen. Besonders wichtig ist der Lack: Haben alle Teile den gleichen Ton? Einzelne Elemente in frischer Farbe bedeuten, dass hier repariert wurde. Besonders verräterisch sind außerdem Lackreste an Tür- und Scheibengummis, die ein eindeutiges Zeichen für nachträgliche Lackierarbeiten sind. Gespachtelte Dellen lassen sich mit einem Magneten identifizieren, da er (anders als vom metallischen Blech) von der Masse nicht angezogen wird. Selbstverständlich ist nicht jeder Verkäufer ein Lügner: Fragen Sie den Besitzer deshalb direkt nach eventuellen Unfällen und Schäden. Lassen Sie sich diese Vorgeschichte in jedem Fall schriftlich dokumentieren und bestätigen!

Wie sind die Reifen beschaffen?

Die Reifen sind nicht nur teure Ersatzteile, sondern auch ein Gradmesser für Schäden am Fahrwerk. Prüfen Sie daher zunächst das Profil und die Beschriftungen an den Rädern. Alle Reifen (inklusive Ersatzrad) sollten vom gleichen Hersteller sein, die gleiche Größe haben und eine identische Kennzeichnung tragen. Damit ist der Check jedoch noch nicht abgeschlossen, ein Kniefall vor dem Gummi ist nötig: Stellen Sie sicher, dass die Reifen nicht einseitig abgefahren sind. Das würde auf eine beschädigte Radaufhängung hinweisen. Verzogene Karosserien können die Folge eines Unfalls sein, in jedem Fall müsste das Fahrzeug neu vermessen werden.

Der Eindruck von innen

Ein guter Gebrauchtwagen zeichnet sich durch ein gepflegtes Interieur aus. Der Innenraum verrät jedoch noch mehr über den Zustand des Autos. Ganz wichtig ist der Blick unter die Fußmatten vorne und hinten. Ist es hier feucht, dringt möglicherweise Wasser durch das Dach oder den Boden ein, was kaschiert werden soll. Die gleiche Aufgabe können Schonbezüge haben, weshalb die Sitze auf jeden Fall im Originalzustand begutachtet werden sollten. Als nächstes geht es um den Check der Technik. Hierbei sind alle Schalter auf Funktion zu prüfen. Vor allem im Sommer vergessen Laien dabei häufig die Heizung, obwohl sich darin unangenehme Gerüche verstecken können. Bedienungsanleitung vorhanden?

Der erste Motor-Test

Bevor es zur Probefahrt geht, sollten einige Funktionen und Komponenten des Motors getestet werden. Zunächst ist die Batterie an der Reihe: Schalten Sie dazu alle Verbraucher gleichzeitig an (Radio, Scheinwerfer, Gebläse…) – ein intakter Stromspeicher muss das verkraften. Nun kann der Motor angelassen werden. Profis erkennen schon hier am Geräusch, ob eventuelle Schäden vorliegen: Springt er bei der ersten Zündung an? Läuft er rund und ohne Klopfgeräusche? Dann ist der Test bestanden. Um besser hören zu können, sollten Radio und Lüftung dafür abgeschaltet werden. Prüfen Sie danach umgehend die Temperaturanzeige. Manche Verkäufer fahren den Wagen vorher warm, um eventuelle Schwächen beim Kaltstart zu kaschieren – warmes Kühlwasser verrät solche Tricks. Ist alles in Ordnung? Dann geht es auf die Straße. Doch seien Sie vorsichtig: Das Fahren ist nur mit gültigen Nummernschildern (bei abgemeldeten Wagen rotes Kennzeichen) erlaubt!

Probefahrt

Tipps für die Probefahrt

Die Probefahrt soll den späteren Gebrauch des Wagens im Alltag simulieren, lassen Sie sich deshalb nicht auf kurze Angebote wie „einmal um den Block“ ein. Die Route sollte Kurven, Steigungen und unebene Straßen beinhalten – hier zeigen sich die wahren Qualitäten oder Schäden am Fahrzeug. Ganz wichtig ist außerdem, dass Sie selbst am Steuer sitzen.

Zu Beginn steht das Getriebe auf dem Prüfstand. Noch bevor Sie losfahren, sollten Sie im Stand alle Gänge durchschalten. Das muss ohne Kraftanstrengung und ohne Kratzgeräusche möglich sein, sonst besteht ein Problem mit der Kupplung (keine korrekte Trennung). Verschlissene Getriebe testen Experten im zweiten Gang bei angezogener Handbremse: Läuft der Motor beim Anfahrversuch weiter, rutscht die Kupplung – das ist kein gutes Zeichen. Zuletzt prüfen Sie den Schleifpunkt. Dazu wird der erste Gang eingelegt und das Kupplungspedal ohne Gasgeben langsam gelöst. Im Idealfall sollte sich das Auto nach zwei Dritteln des Pedalwegs in Bewegung setzen. Die wichtigsten Checks sind damit abgeschlossen. Dennoch sollten Sie auch während der Fahrt auf die Schaltung achten: Kratzgeräusche beim Zurückschalten sind ein Hinweis auf ein defektes Getriebe.

Während der Probefahrt werden die übrigen Komponenten des Wagens geprüft. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Fahrwerk. Alleine durch das Verhalten auf der Straße können Profis eine Menge über die enthaltenen Bauteile erfahren, zum Beispiel über die Kardanwelle: Nehmen Sie in einem unteren Gang ruckartig Gas weg und beschleunigen Sie unverzüglich wieder. Sind dabei Knackgeräusche zu vernehmen, hat die Kreuzkupplung zu viel Spiel. Erhellend ist zudem die Fahrt über die erwähnte unebene „schlechte“ Wegstrecke. Poltert das Fahrwerk dabei, sind die Radlager ausgeschlagen oder die Stoßdämpferbefestigungen locker. Ansonsten ist das allgemeine Verhalten auf der Straße ein wichtiger Hinweisgeber. Das Fahrzeug sollte ruhig liegen und sich präzise steuern lassen. Negativ wären zu viel Spiel in der Lenkung und ein flatterndes oder vibrierendes Lenkrad – das würde auf defekte Felgen oder eine Unwucht der Räder hindeuten.

Es ist naheliegend, dass Sie mit einem Gebrauchtwagen-Kauf Geld sparen möchten – hohe Folgekosten für unentdeckte Schäden sind daher ein großes Risiko. Oftmals unerkannt bleiben Defekte am Katalysator (Austausch bei der nächsten HU fällig) und verschlissene Kolbenringe oder Ventilführungen (erhöhter Ölverbrauch). Derartige Probleme lassen sich durch einen Blick in den Rückspiegel aufdecken: Sobald der Motor warm ist, nehmen Sie dazu Gas weg und beobachten die Abgase. Qualmt es, dann besteht sehr wahrscheinlich einer der genannten Defekte.

Halten die Bremsen, was sie versprechen?

Verschlissene Bremsen sind nicht nur teuer in der Reparatur, sondern im Zweifelsfall ein Unfallrisiko. Prüfen Sie diese bei der Probefahrt deshalb eingehend. Ziehen Sie dazu bei Schrittgeschwindigkeit die Handbremse an. Ist alles korrekt, müssen die Hinterräder sofort blockieren. Aufwendiger, dafür ein echter Insider-Tipp mit hohem Geldspar-Potential, ist die Prüfung der Bremsscheiben. Demontieren Sie dazu ein Rad und suchen Sie nach Riefen im Material. Idealerweise sind keine solchen Schadstellen zu finden.

Mensch und Papier – passt alles?

Ist die technische Prüfung beendet, geht es um formelle und charakterliche Fragen. Macht der Verkäufer einen vertrauenswürdigen Eindruck, sodass Sie ihm den Wagen abkaufen würden? Dann lassen Sie sich die Papiere zeigen. Dabei ist zunächst zu klären, ob der Verkäufer überhaupt der Eigentümer des Wagens ist (Zulassungsbescheinigung Teil II im KFZ-Brief). Wenn nicht, muss eine Einwilligung des Besitzers vorliegen. Generell gilt, dass Sie den Kauf mit entsprechenden Unterlagen belegen müssen. Ein beidseitig unterschriebener Vertrag ist dafür unverzichtbar.

Zurück zur Verhandlung: Dem Brief können Sie außerdem viele weitere Informationen entnehmen: Das Baujahr, das Modell und die übrigen Daten. Prüfen Sie zudem, ob die eingetragene Fahrgestellnummer mit der auf dem Typenschild übereinstimmt. Fordern Sie unbedingt auch das Kundendienstscheckheft ein, idealerweise sind zusätzlich die Rechnungen der Werkstatt und die TÜV-Berichte vorhanden. Scheint alles plausibel? Ist der Kilometerstand korrekt? Sagen Bauch und Kopf „Ja“? Dann haben Sie Ihr neues Fahrzeug gefunden.